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EU unterstützt Kollerfilze

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Pressemitteilung

Rosenheim, 04. Juni 2009

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Das Tor zum Moor liegt im Derndorfer Moos
Moorerlebnisstation bereits jetzt ein Publikumsmagnet,
Landrat lobte kommunale Zusammenarbeit
Um ein Stück Naturgeschichte Einheimischen und Gästen näher zu bringen wurde heute (03.06.09) die Infostation „Moorerlebnis Sterntaler Filze“ offiziell eröffnet. Auf dem rund 1,5 Hektar großen Gelände können Moor und Natur im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Sinnen erlebt werden.
Menschenströme wolle man keine im Moor, sagte Projektleiter Ralf Strohwasser. Aber da ein Teil der Heimat aus Moor bestehe, wolle man die Menschen schon informieren und darauf hinweisen, warum es schützenswert ist. Die Hochmoorrenaturierung sei aktiver Klimaschutz weil CO2 gebunden werde. Außerdem würden sich durch die Wiedervernässung Pflanzen und Tiere wieder ansiedeln, meinte Strohwasser.
Die Notwendigkeit eines Zugangs für die Bevölkerung unterstrich auch Stefan Pratsch von den Bayerischen Staatsforsten, nur was man schätze, schütze man auch. Die Moorerlebnisstation bezeichnete Pratsch als Tor zum Moor. Landrat Josef Neiderhell lobte die aus seiner Sicht erfreuliche Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Raubling und Bad Feilnbach sowie dem Landkreis, die gemeinsam ein EU-Projekt vorantrieben.
Zur Moorerlebnisstation, die touristisch eine Zukunft habe, komme als zweiter Aussichtspunkt die Raublinger Mittagshütte, an der in einem gläsernen Klassenzimmer Schüler unterrichtet würden, so der Landrat. Bürgermeister Hans Hofer erinnerte an die Bedeutung des Moores für Bad Feilnbach. Waren es früher öde Gründe, die gemieden wurden, folgte später die Urbarmachung aus der Not heraus bevor vor über 100 Jahren Moor als Heilmittel entdeckt worden sei. Hofer bedankte sich bei Projektleiter Ralf Strohwasser, er sei der richtige Mann am richtigen Ort.
An der Moorerlebnisstation sollen neben den Erwachsenen vor allem auch Kinder und Jugendliche erfahren, warum beispielsweise das Wasser in den Hochmooren wieder gestaut wird. Früher wurde dort Torf gestochen, eine mühselige Arbeit an die sich vor allem ältere Menschen erinnern. Um die Natur kindgerecht zu erklären, führt eine „Moor-Elfe“ die Kleinsten durch ihr Reich. Attraktionen sind unter anderem eine Vogelbeobachtungsstation, ein Aussichtstorfhügel, wassergefüllte Torfstiche sowie ein 650 Meter langer Bretterweg, der auch Rollstuhlfahrern freien Zugang ins Moor ermöglicht.
Der Aufbau der Station wurde durch die Bayerischen Staatsforsten, Jugendgruppen und örtliche Freiwillige tatkräftig unterstützt. Wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und des einmaligen Moorerlebnisses wurde sie bereits zu einem Besuchermagnet.
Die Infostation „Moorerlebnis Sterntaler Filze“ ist Teil des LIFE-Natur-Projekts „Rosenheimer Stammbeckenmoore“. Ziel ist es, auf einer rund 11 Quadratkilometer großen Fläche den natürlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen, um das Hochmoor zu renaturieren. Träger des Projekts sind die Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung des Landkreises Rosenheim, die Gemeinde Raubling und das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. An dem Gesamtetat von knapp 1,9 Millionen Euro beteiligen sich die Europäische Union zur Hälfte sowie der Bayerische Naturschutzfonds zu 10 Prozent.
Die Moorlandschaft ist ein Überbleibsel des Rosenheimer Sees, der nach der letzten Eiszeit entstand und ungefähr so groß war wie der heutige Bodensee. Am Boden des Sees lagerten sich feine Tonpartikel ab, die von den Gletscherbächen in den See gespült worden waren. Als der Rosenheimer See verschwunden war, er lief im wahrsten Sinne des Wortes vor rund 12.000 Jahren aus nachdem er eine nördlich des heutigen Wasserburgs gelegene Endmoräne durchbrochen hatte, konnte das Regenwasser auf dem tonigen Seeboden nicht versickern. Es bildete sich zunächst eine Sumpflandschaft, aus der durch absterbende Vegetation allmählich ein Moor wurde.
Um etwa 1800 begann der Mensch das Moor mit Gräben zu entwässern und abzubauen. Der Torf wurde beispielsweise für die Rosenheimer Saline und später für Brauereien gebraucht. Der zuletzt durchgeführte Frästorfabbau endete 2005. Seitdem läuft das LIFE-Natur-Projekt „Rosenheimer Stammbeckenmoore“.
Neiderhell Hofer Strohwasser Führung (Bild klicken für großes Bild im eigenen Browserfenster)
Projektleiter Ralf Strohwasser (rechts) präsentierte einem mehr als positiv angetanen Publikum, darunter Landrat Josef Neiderhell (links vorne) und Bad Feilnbachs Bürgermeister Hans Hofer (rechts neben Landrat) die Moorerlebnisstation.
 
Urwald der Sinne Elfe (Bild klicken für großes Bild im eigenen Browserfenster)
Eine Moor-Elfe führt Kinder und Erwachsene durch ihr Reich „Moorerlebnis Sterntaler Filze“
 
Wiedervernässte Ex-Abbauflächen (Bild klicken für großes Bild im eigenen Browserfenster)
Auf den ehemaligen Torfabbauflächen sorgt Regenwasser für die Rückkehr der Natur. Bis ein Meter Moor entstanden ist, werden aber noch 1.000 Jahre vergehen.
 
Moorteich 1 (Bild klicken für großes Bild im eigenen Browserfenster)
Das „schwarze“ Wasser in den wassergefüllten Torfstichen wirkt beinahe mytisch.
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