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LIFE-Natur-Projekt "Rosenheimer Stammbeckenmoore"  LIFE-Natur-Projekt "Rosenheimer Stammbeckenmoore"
 
Spezial-Moorbagger im Umwelteinsatz

Landkreis Rosenheim - LIFE-Natur-Projekt

 
Es tut sich was im Life-Projekt «Rosenheimer Stammbeckenmoore». Mit schwerem Gerät werden die Voraussetzungen für die Wiedervernässung abgebauter Torfflächen geschaffen
Auf gefrorenem Boden halten sich die Schäden in Grenzen.
Galten Moore noch im Mittelalter als unheimliche, von Geistern bewohnte Orte, so wurden sie mit Beginn der Industrialisierung als Brennstofflager ausgebeutet. Auch als Badetorf und für gärtnerische Erden ist der Torf der Moore ein wirtschaftlicher Faktor.
So wurden in den letzten 150 Jahren rund 95 Prozent der bayerischen Moore durch Torfabbau und Entwässerung zerstört sowie in Wald und landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. «Der damit einher gehende Verlust an Lebensräumen führte zu einer Gefährdung hochmoorspezialisierter Tier- und Pflanzenarten» erklärt der Ökologe Ralf Strohwasser, Leiter des Europäischen Life-Projektes «Rosenheimer Stammbeckenmoore». So seien viele dieser Arten mittlerweile auf der Roten Liste gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten.
Bayern kommt seinen Verpflichtungen gegenüber dem europäischen Natura-2000-Biotopnetzwerk im Moorschutz nach. Dass die letzten Moore geschützt werden sollen, wurde bereits in den 70er-Jahren vom Bayerischen Landtag beschlossen. Im Landkreis Rosenheim wurde der Schutz der Moore besonders durch Landrat Dr. Max Gimple forciert, der das Life-Natur-Projekt auf den Weg brachte. Träger des Projektes ist die Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung des Landkreises.
Hochmoore haben einen sehr weichen Boden. Der Bagger, der hier im Einsatz ist, ist ein Spezialgerät mit 140 Zentimeter breiten Ketten. Damit schwebt er zwar nicht über dem Torf, aber er sinkt trotz seiner Masse von 16 Tonnen weniger ein als ein Mensch. In einem ersten Bauabschnitt, der vor kurzem beendet wurde, schaffte der Bagger die Voraussetzungen, dass der bestehende Badetorfabbau für die örtlichen Kurkliniken aus einem zentralen Gebiet der Filzen in den Randbereich auf abgestochene und bereits durch Entwässerung geschädigte Moorbereiche ausgelagert wird, die nach Abbau ebenfalls vernässt werden sollen. Im Winter werden im nächsten Bauabschnitt Entwässerungsgräben geschlossen.
Ziel der Wiedervernässung ist es, die Wasserspeicherfähigkeit des Torfes wieder herzustellen. «Ausgetrockneter Torf kann nur wenig Wasser aufnehmen, man kennt das von der Blumentopferde. Wenn die mal trocken ist, perlt das Gießwasser wegen der Lufteinschlüsse im Torf ab», erklärt Strohwasser. Anders der feuchte Torf. Dieser nimmt ein Vielfaches an Niederschlägen auf und gibt es langsam wieder an die Umgebung ab.
Ein weiteres Ziel der Wiedervernässung ist der Klimaschutz. Trockengelegter Torf mineralisiert an der Luft und setzt beträchtliche Mengen des Treibhausgases CO2 (Kohlendioxid) frei. Im wassergesättigten Bereich wird die Mineralisierung unter Luftabschluss hingegen gestoppt, durch neuen Torfaufbau wird sogar CO2 aus der Atmosphäre neu gebunden. «Langfristig wirkt dies der Klimaerwärmung entgegen», meint Strohwasser.
Das dritte Ziel ist der Artenschutz. Erste Erfolge haben sich auf den Flächen, die nach dem Fräßtorfabbau durch die Firma Euflor wieder überstaut wurden, eingestellt. Strohwasser freut sich: «Die Zwerglibelle, die in Bayern vom Aussterben bedroht ist, hat hier einen starken Bestand aufgebaut.»

Speziall-Moorbagger

Ein Spezialbagger (Kettenbreite 1,40 m!) verschließt Entwässerungsgräben und schüttet Torfwälle auf.

Rosenheim, 13. Dezember 2007